Presse/Kritiken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Augsburger Allgemeine Januar 2018

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      A3-Kulturmagazin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohrenschmauch

         2017

 

Jazziger Rhythmus und arabische Tonleitern

Harrycane Orchestra aus Augsburg vereint im APC West und Ost

 

+
Das Harrycane Orchestra vollführte beim APC-Sommer in den Kleinen Thermen den gelungenen Culture-Clash zwischen West und Ost.
 

Kempten – Wo seit Langem und gerade wieder auf den großen Bühnen der Welt viel Porzellan in der west-östlichen Völkerverständigung zerschlagen wird, gab es letzten Sonntagabend in den Kleinen Thermen des Archäologischen Park Cambodunum eine Antwort darauf:

 

das Harrycane Orchestra, eine 2015 gegründete Band aus Augsburg, die Kemptens Kleinkunstverein Klecks bereits Anfang diesen Jahres in seiner Klecks.Live-Reihe im Künstlerhaus präsentiert hatte.

 

Im intimen Rahmen brachten bereits damals die sechs Musiker der Band die anregendste Mischung aus europäischem Jazz und orientalischem Folk seit dem Weltmusikprojekt Embryo zu Gehör. Das Konzert am Sonntagabend war auf Grund der unsicheren Wetterlage wieder einmal von draußen nach drinnen in die Kleinen Thermen verlegt worden. Die Musiker betraten die gläserne Plattform der Bühne und begannen mit einem Intro an der arabischen Laute, der Oud, in das dann die anderen Instrumente nach und nach einstimmten.

Bereits beim ersten Stück ergab sich der typische Sound der Band aus türkischem Gesang, arabischen Tonleitern und westlich-jazziger Rhythmusgruppe. Ohne dass es die Texte verstand, übertrug sich sofort der wehmütige und meditative Charakter dieses und der folgenden Stücke auf das Publikum, das zwischen den archäologischen Überresten der Thermen auf bereitgestellten Stühlen seinen Platz gefunden hatte.

 

Der Sänger und Riq-Spieler Tarkan Yesil erläutert: „Im Prinzip geht es um die Ungerechtigkeiten auf der Welt, die wir jeden Tag erleben, und dass wir nichts dagegen unternehmen können. Unsere Idee ist es, mit unserer Musik diesem Elend einen Klang zu verpassen.“ Schlagzeuger Harry Alt schreibt einen Großteil der Stücke, Tarkan Yesil erfindet die türkischen Texte zu den Liedern. Beide waren die Gründer der Band, zu denen sich dann die weiteren Musiker aus dem Freundeskreis fanden.

Alles Profimusiker, die zumeist als Musiklehrer und Dozenten ihr Geld verdienen. Trotz der elegischen Grundstimmung fehlte bei keinem der Songs der Drive und der Groove, die eine Band live erst hörenswert machen. Guiseppe Puzzo am Kontrabass erzeugte zusammen mit Harry Alt am Schlagzeug und David Kremer mit seinen stimmigen Rhodes-, Piano- und Orgelsounds die treibenden Back-

grounds für die allesamt längeren Stücke. Den orientalischen Anteil steuerte Joe Aykut bei, der die Oud und das Cümbüs, eine Art türkisches Banjo spielte und auch Tarkan Yesil, der neben seinem Gesang die tambourin-ähnliche Riq schlug. Wahrer Wandler zwischen den Welten war Kay Fischer an diversen Saxophonen und der Klarinette, der durch die Auswahl seiner Tonleitern je nach Stück das Zusammenspiel mehr westlich oder mehr östlich einfärbte. Bandleader Harry Alt führte mit sympathischen Ansagen und Erläuterungen durch das Programm, das nach zweieinhalb kurzen Stunden mit einer Zugabe zu Ende ging.

Unbedingt zu empfehlen ist die erste und bislang einzige CD „Phosphorus“, die die Band letztes Jahr aufgenommen hat. Auf ihr sind alle Stücke, die neben anderen im Konzert gespielt wurden, enthalten. Alleine schon die liebevolle und grafisch perfekte Aufmachung der CD-Hülle, die viel von der Intention und dem Wesen der gespielten Musik in sich trägt, lohnt die Anschaffung.

Jürgen Kus

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Harald Alt